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Anquatschversuch des VS in Erfurt im Dezember 2025

Im Dezember vergangenen Jahres gab es einen Anquatschversuch durch den Verfassungsschutz in Erfurt. Auf de.indymedia.org wurde ein Bericht veröffentlicht, den wir hier teilen:

Am Mittwoch, den 17.12.2025 wurde eine Person in Erfurt auf der Arbeit von zwei Mitarbeitern des Verfassungsschutz angesprochen. 

Bericht

Bereits ab dem 08.12.2025 rief jemand, der sich als „Herr Gründer“ und als Mitarbeiter des Innenministeriums vorstellte, mehrfach bei der Arbeitsstelle der Person an und hinterließ bei Kolleg:innen die Bitte um Rückruf unter einer Mobilfunknummer. Bei der Arbeitsstelle handelt es sich um eine Kinder- und Jugendeinrichtung. „Herr Gründer“ gab vor, über Gewalt, Kinderschutz und politisch motivierte Gewalt sprechen zu wollen. Auch suchten „Herr Gründer“ und sein Kollege in den folgenden Tagen die Einrichtung persönlich auf und versuchten erfolglos, die betroffene Person auf der Arbeit anzutreffen.

Am 17.12.2025 gegen 11 Uhr klingelten zwei Männer bei der Arbeit der Person an der Tür. Die Person machte auf und wurde sofort mit Namen angesprochen. Sich selbst stellten die beiden Männer nicht vor. Auf die Frage, worum es ginge, verwies einer der beiden darauf, dass die Person im Arbeitskontext doch viel mit Jugendlichen zu tun habe, die in „schwierigen Lebenslangen“ stecken und dass die angesprochene Person im Gegensatz zu seinen Kolleg:innen „die Netzwerke und Verbindungen“ hätte. Nach erneuter Nachfrage nach dem Namen – und ohne auf vorher Gesagtes einzugehen – stellte sich einer als „Gründer“ vor, holte aus seiner Umhängetasche einen vermeintlichen Dienstausweis und behauptete, die beiden seien vom Thüringer Innenministerium. Als die Person direkt fragte, ob sie vom Verfassungsschutz seien, bejahte „Herr Gründer“. Daraufhin wies die Person die beiden Männer direkt mit „Ich möchte nicht mit Ihnen sprechen“ ab. 

Die VS-Mitarbeiter ließen nicht ab, stattdessen sprach „Herr Gründer“ die Person auf dessen Teilnahme an einer mehrere Jahre zurückliegenden Demonstration an. Nachdem die Person die beiden bat, das Haus zu verlassen, meldete der zweite Mann sich zum ersten Mal zu Wort und machte die drohende Aussage, dass die Person als „Linksextremist“ geführt sei und dies Konsequenzen für den Job haben könnte. Erst nach dem wiederholtem Abwehren eines Gesprächs und mehreren Bitten das Haus zu verlassen, gingen die beiden Männer. 

Personenbeschreibungen

Zu den beiden VS-Personen: „Herr Gründer“ ist etwa 50 Jahre alt, hat braune kurze Haare, ist 1,70-1,80 m groß. Sein namenloser Begleiter ist ebenfalls etwa 50 Jahre alt und ca. 1,70-1,80 m groß, dünn, hat braun-graues Haar und trug Brille und Schnauzer beim Anquatschversuch. 

Einordnung 

Der Verfassungsschutz will Informationen über linke Strukturen gewinnen, die dann zur Repression, für weitere Ausforschung oder andere willkürliche Zwecke verwendet werden können. Es ist wichtig, sich gar nicht erst in ein Gespräch ziehen zu lassen, sondern den Versuch schnell und entschieden zu beenden. 

Der geschilderte Vorfall reiht sich in eine Liste von Anquatschversuchen der letzten Jahre ein, bei denen die Behörden in Thüringen versuchten, Informant:innen zu gewinnen. (Ein anonym verfasster Text aus dem Jahr 2023 dokumentiert mehrere Anquatschversuche gegen Linke in Thüringen: https://rotehilfeerfurt.noblogs.org/2023/03/17/repression-aktuell-hausdurchsuchungen-anquatschversuche/#aqv. Auch die Rote Hilfe Jena dokumentiert einen dortigen Anquatschversuch im Juli 2025: https://rotehilfejena.noblogs.org/2025/08/03/anquatschversuch-des-vs-in-jena/. Wir greifen ein paar wichtige Tipps aus dieser Veröffentlichung weiter unten auf.) 

Anquatschversuche am Arbeitsplatz sind kein ungewöhnliches Vorgehen. In diesem Fall ist der VS dafür sogar in einen Ort für schutzbedürftige Kinder und Jugendliche eingedrungen. 

Der erneute Vorfall zeigt: Die Mitarbeiter:innen des Verfassungsschutz können jederzeit und an verschiedenen Orten Personen ansprechen. Der Geheimdienst legt es meist darauf an, die angesprochene Person zu überraschen. Deswegen gaben auch in diesem Fall die Mitarbeiter bei den vorherigen Versuchen der Kontaktaufnahme ihre Identität nicht an. Es ist immer erschreckend, plötzlich von Fremden mit Namen und Einzelheiten angesprochen zu werden. Doch es gilt Ruhe zu bewahren, keine Aussagen zu machen und die Personen bestimmt abzuweisen. 

Tipps

Wer von einem Anquatschversuch betroffen ist, sollte offen in seinem Umfeld damit umgehen. Wichtig ist zu beachten: Wer angesprochen wird, muss nichts besonderes getan oder sich besonders verhalten haben. Es reicht eine Teilnahme an einer Demonstration oder auch nur die Nähe zu anderen Linken. Warum gerade die eine Person ausgewählt wurde und andere nicht, ist meist Willkür und eine Logik nicht erkennbar. Deswegen ist es wichtig, nicht zu spekulieren und sich nicht an der Weitergabe von Mutmaßungen per Stille-Post zu beteiligen. Wenn ihr sowas in eurem Umfeld bemerkt, sagt Leuten, dass sie mit damit aufhören sollen.

Stattdessen ist betroffenen Personen geraten, so schnell wie möglich ihre Ortsgruppe der Roten Hilfe zu kontaktieren. Ein offener und am besten öffentlicher Umgang trägt dazu bei, euch und andere vor weiteren derartigen Versuchen zu schützen. 

Es ist nie zu spät, sich mit eurer lokalen Antirepressionsstruktur über Besuche von „Mitarbeiter:innen einer Sicherheitsbehörde“ zu unterhalten – auch oder gerade, wenn ihr das Gefühl habt, etwas falsch gemacht zu haben. Nur so können Strukturen wie die Rote Hilfe euch rechtliche Infos zu den Be- und Androhungen geben, die es bei diesen Versuchen immer wieder gibt. Deshalb: Sprecht darüber, geht zur Roten Hilfe und lasst uns gemeinsam für einen öffentlichen verantwortungsvollen Umgang sorgen. 

Noch mehr hilfreiche Infos und Tipps zu Anquatschversuchen findet ihr auch hier: https://rote-hilfe.de/rechtshilfetipps/anquatschversuch

04. & 07.02. Free Maja – Urteil und solidarische Versammlungen in Jena

Nach einer Verschiebung wird voraussichtlich am 4. Februar 2026 das Urteil gegen Maja und die weiteren aktuell in Budapest angeklagten Antifaschist:innen verkündet.

Wir teilen in Solidarität folgend den aktualisierten Aufruf aus Jena zur solidarischen Kundgebung am Tag der Urteilsverkündung und zur Demonstration am Samstag danach (veröffentlicht auf de.indymedia.org, 21.01.2026). Auf die Straße – unsere Solidarität gegen ihre Repression!

Free Maja – Urteil und solidarische Versammlungen in Jena verschoben!

Wie bereits seit einigen Tagen bekannt ist, wurde die Urteilsverkündung gegen Maja nach aktuellem Stand auf den 4. Februar 2026 verschoben. Dementsprechend verschieben sich auch die Versammlungen in Jena in Solidarität mit Maja und allen inhaftierten Antifas: eine Kundgebung findet nun am 4. Februar, 17:30 Uhr Holzmarkt statt, sowie eine größere Demonstration am 7. Februar, 14 Uhr ab Holzmarkt, Jena.

Falls es zu einer weiteren Verschiebung des Urteils kommt, werden die Veranstaltungen ebenfalls wieder verlegt, sodass in jedem Fall am Tag der Urteilsverkündung eine Kundgebung sowie am darauf folgenden Samstag eine Demo in Jena stattfindet.

Nachfolgend findet ihr nochmal den aktualisierten Aufruf sowie den Demokonsens.

Wie bereits seit einigen Tagen bekannt ist, wurde die Urteilsverkündung gegen Maja nach aktuellem Stand auf den 4. Februar 2026 verschoben. Dementsprechend verschieben sich auch die Versammlungen in Jena in Solidarität mit Maja und allen inhaftierten Antifas: eine Kundgebung findet nun am 4. Februar, 17:30 Uhr Holzmarkt statt, sowie eine größere Demonstration am 7. Februar, 14 Uhr ab Holzmarkt, Jena.

Falls es zu einer weiteren Verschiebung des Urteils kommt, werden die Veranstaltungen ebenfalls wieder verlegt, sodass in jedem Fall am Tag der Urteilsverkündung eine Kundgebung sowie am darauf folgenden Samstag eine Demo in Jena stattfindet.

Nachfolgend findet ihr nochmal den aktualisierten Aufruf sowie den Demokonsens.

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AUFRUF

Von Jena bis Budapest: Grenzenlose Solidarität gegen rechten Terror und autoritären Kapitalismus – Freiheit für Maja. Freiheit für alle Antifas.

Der Druck steigt.

Wir erleben aktuell eine der schärfsten Krisen des westlichen Kapitalismus. Die Abstiegsängste der Mitte bekommen angesichts hoher Inflation, steigender Arbeitslosigkeit und sinkender Kaufkraft eine empirische Basis. Die großen Vermögen konzentrieren sich weiter in den Händen einiger weniger und Schwarz/“Rot“ gönnt Arbeiter_innen und Armen nicht mal mehr den Dreck unter den Fingernägeln. Wer auf das Amt angewiesen ist, hat sich demnächst darauf einzustellen, neben den üblichen Gängeleien noch schneller als bislang die Bezüge bishin zur Aussetzung der Mietübernahme gekürzt zu kriegen, sofern er/_/sie nicht bereit ist, den letzten Scheißjob anzunehmen.

Währendessen…

…sind sich die Parteien von ganz rechts bis zur hochgelobten „demokratischen Mitte“ bei der Wahl der Gegenmaßnahmen erstaunlich einig: neben dem Gerede, dass „wir“ es vor lauter work-life-balance verlernt hätten richtig anzupacken, muss man nun auch endlich mal dieses „Migrationsproblem“ lösen, ganz so, als ob die Armut der vielen nicht auf dem Reichtum der wenigen fußen würde. Während der letzten Legislatur war die SPD unter Beteiligung der Grünen noch stolz auf die gestiegenen Abschiebezahlen. Derzeit können es die verantwortlichen Innenminister auf EU-Ebene kaum erwarten, auch außerhalb Europas Lager für Geflüchtete zu errichten, um das Imageproblem der tausenden Toten im Mittelmeer einige Kilometer von den tödlichen Grenzen Europas weg und damit aus dem Blickfeld zu verlagern.

Im Angebot: Normalisierung.

Nach hinten wird diese Politik mit immer neuen Scheindebatten ums Stadtbild vom Kanzler höchstpersönlich abgesichert, um sich auch morgen noch des Rückhalts für die Politik der sozialen Kälte und der Entsolidarisierung sicher sein zu können. Die Arbeiter_innen und Armen sollen sich in Abgrenzung zu Geflüchteten wenigstens noch ihres Wertes als Deutsche oder wenigstens als Europäer vergewissern können. In diesem Klima der Spaltung wächst der Zuspruch der gesellschaftlichen Mitte für autoritäre „Lösungen“, Neonazis erhalten immer mehr Zustimmung, egal ob im Parlament oder auf der Straße, egal ob im Maßanzug oder im Hipster-Look.
In Ungarn erfahren diese hässlichen Auswüchse der kapitalisitischen Krise offene staatliche Unterstürzung und so huldigen jedes Jahr tausende organisierte Neonazis in Budapest zum sog. „Tag der Ehre“ dem historischen NS. Faschisten aus ganz Europa verherrlichen den Vernichtungskrieg der Nazis in Osteuropa; die Gräuel und die Verbrecher von damals sind ihnen Vorbild ihrer Vernichtungsphantasien von heute.

Für einen konsequenten Antifaschismus.

In dieser Situation wird Maja und unseren Freund_innen vorgeworfen, die körperliche Auseinandersetzung mit organisierten Neonazis nicht gemieden zu haben. Dabei muss jedem klar sein, dass Nazis vehement ihre Ziele verfolgen, wenn man sie lässt. Seit Auschwitz ist das Vorgehen gegen Nazis immer eine Defensiv-Auseinandersetzung: Antisemiten, überzeugte Rassisten, Geschichtsrevisionisten, Sozialchauvinisten und Antiziganisten werden sich nicht umstimmen lassen, wenn es darum geht, Minderheiten zu unterdrücken, zu verfolgen, wenn möglich zu vernichten. Man kann nur versuchen, ihnen das Handwerk zu legen. Sich dabei auf den (deutschen wie ungarischen) Staat zu verlassen, ist naiv. Im Gegenteil: deutsche Polizeibehörden sind mit wildestem Ermittlungseifer ununterbrochen und mit riesigem Personalaufwand damit befasst, die Verstecke untergetauchter Antifaschist_innen aufzuspüren und die deutsche Justiz bediente sich absurdester Tricks, um Maja an das ungarische rechtsautoritäre Regime auszuliefern. Dort ist Maja seit über einem Jahr Folter und Isolationshaft ausgeliefert.

Alle. Zusammen.

Man muss nicht mit jeder Aktion einverstanden sein, die Maja und Freund_innen angelastet werden. Verantwortung für die Unversehrtheit von Herz und Seele zu übernehmen, Männlichkeit immer wieder zu problematisieren, in den Austausch zu gehen, sich der Kritik der Mitstreiter_innen zu stellen und die Frage der Legitimität der eigenen Handlungen immer wieder abzuwägen, ist Chance und Pflicht gleichermaßen. Aber wenn es dann hart auf hart kommt, ist es wichtig, zusammenzustehen, denn Solidarität ist kein Wunschkonzert…

Voraussichtlich am 4. Februar soll in Budapest das Urteil gegen Maja gesprochen werden. Es drohen bis zu 24 Jahre Haft. Wir nehmen das nicht unwidersprochen hin. Kommt zur Kundgebung am Tag der Urteilsverkündung 17:30 Uhr auf den Holzmarkt in Jena und am darauf folgenden Samstag, 14 Uhr zur Demonstration ab Holzmarkt, Jena.

Freiheit für Maja, Freiheit für alle Antifas – für eine gerechte, solidarische und angstfreie Gesellschaft!

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DEMOKONSENS

Wir demonstrieren, weil Maja in Ungarn zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt werden wird und zahlreiche weitere unserer Freund*innen, Genoss*innen, Antifaschist*innen im Knast sitzen, als Angeklagte vor Gerichten stehen oder zum Leben im Untergrund genötigt werden. Mit der Demo möchten wir unsere Solidarität und Verbundenheit mit ihnen allen sowie unsere Wut auf die staatlichen Repressionsapparate in Deutschland, Ungarn und überall auf die Straße bringen. Unsere Solidarität ist dabei nicht selektiv, unterliegt keiner Gesinnungsprüfung und gilt allen Antifaschist*innen gleichermaßen. Unsere Botschaften könnt ihr gerne auf Bannern, Schildern sowie mit Antifaflaggen sichtbar machen.

Nationalstaaten errichten Knäste, zerren unsere Genoss*innen vor Gerichte, setzen skrupellos Gewalt zur Aufrechterhaltung bestehender Verhältnisse ein und werden immer nur über Ausgrenzung funktionieren. Wir möchten deshalb ausdrücklich keine National- oder Territorialfahnen oder Ersatzsymbole auf unserer Demo. Gleiches gilt für Partei- und Organisationsfahnen und -Logos. Wir wollen keinen Überbietungswettbewerb und keine Vereinnahmung durch einzelne Gruppen, sondern einen gemeinsamen, entschlossenen und autonomen Charakter. Denn Antifa bleibt antiautoritär!

Es gibt fraglos unzählige dringende Anlässe, wegen der es sich zu demonstrieren lohnt. Aber heute wollen wir in Anbetracht der ernsten Lage als zentrale Botschaft unsere Solidarität mit Maja und allen inhaftierten Antifas ausdrücken. Eine eigenständige, inhaltsfremde Themensetzung oder Blockbildung ist daher deplatziert und unerwünscht. Insbesondere ist diese Demo kein angemessener Ort, um innerlinke Konflikte auszutragen.

Wir dulden kein übergriffiges und grenzüberschreitendes Verhalten auf der Demo, die Definitionsmacht liegt dabei bei den betroffenen Personen. Solltet ihr derartiges Verhalten mitbekommen oder euch sonst unwohl fühlen, wird es ein Awareness-Team geben, an das ihr euch wenden könnt. Die Demostrecke ist ca. 2,6 km lang und weitestgehend flach, führt jedoch an einigen Stellen über Gleise und Pflaster. Bedenkt zudem bitte die kalte Jahreszeit.

Schaut, wo ihr euch auf der Demo am wohlsten fühlt. Wir möchten insbesondere nicht-cis-männliche Genoss*innen aufrufen, in die vorderen Reihen zu kommen. Bedenkt zudem bitte, dass die Bewegung derzeit viele Antirepressionskämpfe führt und durch die Demo zumindest nach unseren Möglichkeiten nicht noch neue dazukommen müssen.

Auf unserer Demo ist kein Raum für Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Ableismus, Queerfeindlichkeit, Sexismus, patriarchales oder sonstiges diskriminierendes Verhalten.

Verschoben auf 27.02.! OAT zum Polizeiaufgabengesetz

[Update: Aus Krankheitsgründen fällt das OAT zum PAG am 30.01. aus und wird am 27.02.2026 nachgeholt.]

Das Offene Antifaschistische Treffen lädt am letzten Freitag im Januar ein mit der großen Frage: NEUES PAG? Es geht um die geplante Novelle des Thüringer Polizeiaufgabengesetzes. Es wird also spannend und unappettitlich. Wir empfehlen: Kommt am 30.01.2026 um 19 Uhr in die Offenen Arbeit (Allerheiligenstr. 9) zum OAT!

Das Jahr hat grad erst angefangen, an allen Ecken brennts, aber wir müssen über den nächsten Haufen, der uns da aufgetischt wird, reden. Es geht um den Entwurf des neuen Thüringer Polizeiaufgabengesetz: Was steckt drin, welche Grundrechte sind betroffen und welche Auswirkungen kann das Gesetz auf unterschiedliche Gruppen haben?

Außerdem klären wir: Wo stehen wir aktuell im Gesetzgebungsprozess, und was kommt als Nächstes?

Nicht zuletzt werfen wir einen Blick auf bisherige Kampagnen gegen vergleichbare Gesetzesvorhaben (NRW, Bayern, Fußballdemo Leipzig 2025) und fragen, was wir aus erfolgreichen Protesten wie gegen die EU-Chatkontrolle lernen können.

Kommt vorbei für einen kleinen Input, Einordnung, & Diskussion – bringt eure Friends, eure Fragen, und gern neue Ideen, wie es weitergehen kann. Bis dann 💖

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Lirabelle #34 erschienen

Die neue Lirabelle ist draußen! Die 34. Ausgabe des lokalen Szeneblättchen liegt an einigen linken Orten in Erfurt und Thüringen aus. Schnappt euch eine und schmökert. Wie immer findet ihr am Ende des Hefts die aktuellen Repressionsschnipsel. Außerdem dieses Mal ein Bericht über den letzten bekannten Anquatschversuch durch den Verfassungsschutz in Jena.

Schmökert, bleibt informiert und schreibt selber mal was für die Lirabelle.

Anquatschversuch des VS in Jena


In Jena gab es vor ein paar Wochen wieder einen Anquatschversuch durch den Verfassungsschutz. Wir spiegeln folgend den Text vom 3. August 2025 vom Blog der Roten Hilfe Jena.


Anquatschversuch des VS in Jena

Am Freitag, den 18.7.25 um ca. 20 Uhr, wurde eine Person vom CT-Späti nach dem Einkaufen von einer Mitarbeiterin des VS in Jena angequatscht.

Ohne sich zunächst genauer vorzustellen war davon die Rede, dass sie sich gerne gemeinsam mit einem Kollegen mit ihm zur Befassung mit dem Rechtsextremismus in der Stadt zusammensetzen würde. Über seine Arbeit im Späti habe er ja einen guten Eindruck davon, was hierzu in der Szene gerade Thema sei. Erst auf mehrfache Nachfrage bejahte sie dann vom Geheimdienst zu sein, woraufhin das Gespräch vom Angequatschten direkt beendet wurde. Die Mitarbeiterin des VS bedauerte „nicht ins Geschäft gekommen zu sein“ und ging dann zurück zu dem in einem Auto abseits wartenden Kompagnon.

Der Einstieg über ein vermeintliches gemeinsames Interesse an der Politarbeit gegen Faschos ist eine bewährte Taktik des VS, um die angesprochene Person ins Reden zu bringen. Tatsächlich geht es ihnen aber um Informationen über Genoss:innen, die dann zur Repression oder für weitere Ausforschung verwendet werden können. Deshalb ist es umso wichtiger, sich trotz sozialem (Höflichkeits-)Druck dieser erzwungenen Situation gar nicht erst in ein Gespräch ziehen zu lassen, sondern den Versuch schnell und entschieden zu beenden. Der Anquatschversuch vom Freitag letzter Woche reiht sich dabei in eine längere Liste ein, allein im letzten Jahr haben die Behörden mehrmals versucht in Jena und Umgebung Informant:innen zu gewinnen.

Auch der Späti ist in dem Kontext nicht zum ersten Mal Thema: der VS möchte scheinbar über dessen Umfeld dringend Informationen abgreifen. Wir können dementsprechend auch fest davon ausgehen, dass der VS weiterhin die Spätis im Blick hat und über mitgehörte Gespräche dort aber auch an anderen Treffpunkten Informationen zu gewinnen beabsichtigt. Habt das also bitte im Kopf, wenn ihr dort das Feierabendgetränk eurer Wahl trinkt.

Der erneute Vorfall zeigt auch, dass so ein VS-Übergriff eine:n jederzeit und überall treffen kann, der Geheimdienst legt es geradezu darauf an, die angesprochene Person zu überrumpeln. Es ist immer erschreckend, plötzlich von Fremden mit Namen und Einzelheiten angesprochen zu werden. Doch es gilt Ruhe zu bewahren und, wie bereits geschrieben, keine Aussagen zu machen. Wer von einem Anquatschversuch betroffen ist, sollte offen in seinem Umfeld damit umgehen. Wir warnen euch vor Spekulationen und dem Stille-Post-Effekt und raten euch dringend, uns so schnell wie möglich zu kontaktieren, wenn ihr betroffen seid. Eine offener und am besten öffentlicher Umgang trägt dazu bei, euch und andere auch vor weiteren derartigen Versuchen zu schützen. Vorwürfe und Sorgen vor Konsequenzen schüchtern nur ein und behindern notwendige politische Aktivitäten. Es ist nie zu spät, sich mit uns über Besuche von „Mitarbeiter:innen einer Sicherheitsbehörde“ zu unterhalten, auch oder gerade auch wenn ihr das Gefühl habt, etwas falsch gemacht zu haben. Nur so können wir euch auch rechtliche Infos zu den Be- und Androhungen geben, die es bei diesen Versuchen immer wieder gibt. Deshalb: Kommt zu uns und lasst uns gemeinsam etwas Helligkeit schaffen!

Zur VS-Person: Diese ist um die dreißig Jahre alt, 1,50/ 1,55 Meter groß, hat mittellanges gelocktes Haar und trägt eine Brille. Zusammen mit einem Kollegen verfolgten sie den Angesprochenen zunächst Weile im Auto bevor es dann auf einem Parkplatz vor einem Einkaufscenter zur beschriebenen Situation kam.


Auf der Homepage der Roten Hilfe e.V. findet ihr mehr Informationen und Tipps zum Umgang mit Anquatschversuchen: rote-hilfe.de/rechtshilfetipps/anquatschversuch

Wenn ihr in Erfurt von einem Anquatschversuch betroffen seid: Schweigt nicht darüber, sprecht mit eurem Umfeld offen darüber und meldet euch bei uns.

Unsere Solidarität gegen ihre Repression und ihre feisten Versuche, Genoss*innen zu überrumpeln und zu verunsichern!